Ceni, ein kleines Glühwürmchen in einem gelben Kleid mit einer weißen Blütenbrosche, geht nachts durch einen Garten voller weißer Laternchen zwischen den Wurzeln alter Bäume. Ihr warmes Licht strahlt frei aus ihrem Bauch und beleuchtet ein Laternchen, das neben ihr gerade aufgeht, und sie schaut es lächelnd an.
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Eine Nacherzählung von Aschenputtel

Das Licht, das du in dir trägst

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So beginnt die Geschichte

Nachts öffneten sich zwischen den Wurzeln eines alten Baumes weiße Blumen. Sie hießen Laternchen. Ceni goss sie eine nach der anderen mit Tautropfen. Die Tropfen brachte sie in einem gefalteten Blatt, das sie in einer Hand hielt. Sie war ein kleines Glühwürmchen, aber ihr Licht war groß und warm wie eine glühende Kohle. Sie trug es klein, ganz klein, fest zusammengedrückt in ihrem Bauch. Gerade so hell, dass sie sah, wohin sie trat.

Weiter oben in den Ästen wohnten ihre Stiefmutter und ihre zwei Stiefschwestern. Alle drei hatten ein feines, elegantes Lichtlein und verbrachten die ganze Nacht damit, es zu polieren. „Ein schönes Licht fällt nicht auf“, sagte die Stiefmutter immer. „Ein schönes Licht ist dezent.“

Cenis Licht fiel auf. Wenn sie nur einen Moment nicht aufpasste, färbte sich der ganze Baum golden. „Mach es kleiner“, befahlen ihr die Stiefschwestern und hielten sich die Augen zu. „Du blendest. Niemand wird in deiner Nähe sein wollen, wenn du so herumleuchtest.“ Dann machte Ceni es kleiner und entschuldigte sich.

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Illustration aus Eine Nacherzählung von Aschenputtel — 1
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Leitfaden für Familien

💭 Worum geht es in dieser Geschichte?

Ceni ist ein Glühwürmchen, das zwischen den Wurzeln eines alten Baumes Nachtblumen pflegt. Ihr Licht ist groß und warm, doch sie hält es klein, weil man ihr zu Hause sagt, es störe und niemand werde in ihrer Nähe sein wollen. Als auf der Wiese ein Tanzfest angekündigt wird, mischt sich die Lust, dabei zu sein, mit der Angst, aufzufallen. Diese Nacherzählung von Aschenputtel erkundet, was wir fühlen, wenn wir mitmachen möchten und uns zugleich vor Ablehnung fürchten.

🧠 Was lernen die Kinder?

  • Mut kann mit einem kleinen Schritt beginnen, auch wenn wir noch Angst haben.
  • Eigeninitiative hilft uns, etwas auszuprobieren, das wir uns wünschen, auch wenn wir uns zuerst nur vorsichtig herantrauen.
  • Der eigene Wert hängt nicht davon ab, dass andere alles gutheißen, was wir sind.
  • Die Signale des Körpers können uns helfen zu erkennen, wann wir Scham, Anspannung oder Erleichterung spüren.
  • Begleitung kann das Mitmachen leichter machen und lässt dabei jedem Raum, selbst zu entscheiden.
  • Zur Identität gehört auch das, was uns von anderen unterscheidet und was wir in unserem eigenen Tempo zeigen dürfen.

🤝 Wie kann das Gespräch weitergehen?

  • „Was würdest du gern ausprobieren, auch wenn es dir noch ein bisschen Angst macht?“
  • „Woran merkst du in deinem Körper, dass du dir Sorgen machst, was andere denken könnten?“
  • „Was von dir zeigst du gern, wenn du dich bei jemandem wohlfühlst?“
  • „Was kann jemand tun, damit es dir leichter fällt mitzumachen?“

🎯 Pädagogischer Ansatz

Die Geschichte gibt der Angst vor Ablehnung und der Scham Raum, ohne zu verlangen, dass sie verschwinden, bevor man mitmachen darf. Cenis Licht bietet ein greifbares Bild, um darüber zu sprechen, was jeder Mensch glaubt verstecken zu müssen und was er braucht, um sich in seinem eigenen Tempo zu zeigen. Das gemeinsame Lesen lädt dazu ein, kleine Versuche und Formen der Begleitung zu entdecken, ohne Mut zur Pflicht zu machen, alles allein zu schaffen oder es allen recht zu machen.

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